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Schwäbische Zeitung 28.07.2018 (Marc Dittmann):

Geschrieben von SZ / Marc Dittmann.

Vereine planen gemeinsame Zukunft

Altshausen (meist) in Schwarz-Gelb, auch in dieser Partie am 9. September 2015: Marc Krämer, der den Verein im Sommer verlassen hat, umringt von drei Ebenweilern in Blau: Frederik Frei, Tobias Eisele (3) und Kapitän Michael Wetzel. Zumindest zwei von ihnen, Frei und Wetzel, spielen in der Saison 2018/2019 nun in Schwarz und Gelb. (Foto: Thomas Warnack/Archiv)

 

Die Niederlage im Relegationsspiel gegen die SG Hettingen/Inneringen am 23. Juni und der damit verbundene Abstieg aus der Fußball-Bezirksliga vor knapp fünf Wochen hat für den SV Ebenweiler weitreichende Folgen gehabt.
Nachdem sich der Verein außer Stande sah, eine wettbewerbsfähige Mannschaft in der Kreisliga A zu melden, zog er diese zurück.
Viele Spieler hatten den Verein verlassen, der zudem ohne Trainer dastand. „Zwölf, dreizehn Spieler, das hätte nicht gereicht. Wenn wir unsere Mannschaft im Winter hätten zurückziehen müssen, wäre der Schaden umso größer gewesen“, sagt Gerhard Zirn, einer von drei Vorsitzenden des SV Ebenweiler beim Abendtermin auf dem Ebenweiler Sportgelände.

Es galt nach dem Abstieg schnell zu handeln.
„Wir wollten schließlich gewährleisten, dass die Spieler, die ambitioniert Fußball spielen wollen, dies auch können. Alles andere hätte keinen Sinn gemacht“, sagt Dominic Rinn, einer der der verbliebenen Ebenweiler Spieler und neben Philipp Halder ein weiterer Vorsitzender des SVE.
Der 38-Jährige Rinn hat die vergangenen eineinhalb Jahrzehnte, die erfolgreichsten des Vereins, hautnah miterlebt.
Aufstieg aus der Kreisliga B in die A-Liga 2004, nach drei weiteren Jahren Aufstieg in die Bezirksliga. Immer über die Relegation, „ohne Wimpel“, wie es beim SV Ebenweiler in dieser Zeit zum geflügelten Wort wurde.

In elf Jahren Bezirksliga spielte Klub eine gute Rolle, stand einmal, unter Trainer Nectad Fetic, sogar in der Aufstiegsrunde zur Landesliga. „Eine Zeit, die wir ohne unsere beiden Väter des sportlichen Erfolgs, Abteilungsleiter Peter Bixel und den damaligen Vorsitzenden Alfred Birkenmaier nie erlebt hätten“, sagt Gerhard Zirn. Doch mit dem sportlichen Abstieg stand der Verein vor einem Umbruch – und am Abgrund.

Zirn entschied sich, beim FV Altshausen anzurufen, ausgerechnet beim Derbyrivalen. „Ebenweiler hat uns, glaube ich, häufiger geschlagen“, erinnert sich Martin Kiem, Vorsitzender des FV Altshausen an die Partien gegeneinander. „Wir haben sogar extra mal blaue Trikots gekauft und in Ebenweiler getragen – und 2:4 verloren“, sagt Kiem und lacht.

Die Partnerschaft kommt auch deshalb zu Stande, weil entsprechende Vorstöße Ebenweilers Richtung SV Fleischwangen, mit dem der Verein seit Jahrzehnten in einer Spielgemeinschaft in der Jugend ist, im Sande verliefen. Bereits im vergangenen Oktober gab es erste, zaghafte Bande zwischen Ebenweiler und Altshausen. Man habe sich „mal getroffen, sich einfach ausgetauscht“, erinnert sich Dominic Rinn. „Eher mit dem Blick auf die kommenden Jahre“, ergänzt Martin Kiem. Denn zu diesem Zeitpunkt glaubte noch keiner, dass nur wenige Monate später die Drähte zwischen den Vereinen und dem Verband in Stuttgart glühten, die Sache an Dynamik gewann. „Wir haben ja eine ganz gute Rückrunde gespielt und gehofft, die Klasse zu halten“, erinnert sich Rinn.

Doch mit dem 23. Juni und der 0:2-Niederlage gegen Hettingen in Hochberg stand die Existenz infrage. „Wir haben mit dem Bezirksvorsitzenden Horst Braun telefoniert. Er hat sich beim WFV in Stuttgart für uns stark gemacht, unsere Lage erläutert und uns gut vertreten“, lobt Gerhard Zirn die Zusammenarbeit. Außerdem suchte Zirn den Kontakt zu Jürgen Amendinger. Vor wenigen Tagen kam das Okay vom Verband. „Der Verband hat unsere Lage erkannt“, sagt Zirn. Allerdings sei aufgrund des späten Zeitpunkts keine Spielgemeinschaft in der Bezirksliga mehr möglich gewesen. Schließlich wollte der Verband den Abstieg in die A-Liga nicht mit einer Spielgemeinschaft in der Bezirksliga quasi belohnen.

Doch der Verband zeigte in einem Schreiben von Jose Macias vom Spielausschuss des WFV an die Vereine, diesen Möglichkeiten auf. Die verbliebenen Ebenweiler Spieler, die in der Bezirksliga weiterspielen wollten, sollten – befristet auf ein Jahr – nach Altshausen wechseln: Michael Wetzel, Timm Baier, Frederik Frei, Matthias Schluck, Tobias Rimmele Lasse Scharfenberg und Mario Bilgen schlossen sich der Mannschaft des Trainerduos Jörg Züfle/Heiko Wenzel an. „Ganz unbürokratisch. Wir haben keine Ablöse vereinbart“, sagt Kiem. „Deshalb können sie, sollte es im kommenden Jahr zu einer Spielgemeinschaft in der Bezirksliga kommen, unentgeltlich zurückwechseln.“ Damit steht Ebenweilers erste Mannschaft automatisch als erster Absteiger aus der Kreisliga A im Sommer 2019 fest. In der Kreisliga B gibt es außerdem eine gemeinsame Mannschaft, die SG FV Altshausen II/SV Ebenweiler. Das hat der Verband den Vereinen erlaubt.

Jugend-Kooperation geplant

Doch längst gibt es ein Folgeszenario für die Zeit nach dem Ende der Saison 2018/2019. „Wir denken schon weiter“, räumt Gerhard Zirn ein. „Deshalb werden wir uns im September zusammensetzen und alles ansprechen. Auch das, was bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht rund läuft.“ Angedacht ist für 2019/2012 nicht nur eine Spielgemeinschaft in der Bezirksliga, sondern auch eine Zusammenarbeit im Jugendbereich – Altshausen hat derzeit rund 110 Jugendliche, Ebenweiler um die 40, auch weil hier Handlungsbedarf aus Ebenweiler Sich herrscht. „Das ist ja naheliegend. Die Kinder gehen zusammen in Altshausen zur Schule, viele kennen“, sagt Martin Kiem. Doch Zirn und Kiem wissen, dass viel Arbeit vor ihnen liegt, auch weil beide im Jugendbereich eigentlich mit anderen Partnern zusammenarbeiten.

In den kommenden Wochen steht die Arbeit bei den Aktiven im Vordergrund. In den Trainingseinheiten, im Wechsel in Altshausen und Ebenweiler, tummeln sich in der ersten Mannschaft rund 30 Spieler auf dem Sportgelände. Mit einer Konsequenz: „Wir haben inzwischen so viele Spieler, dass wir eine Reserve, also insgesamt drei Mannschaften melden. Denn natürlich will jeder Spieler spielen. Es wird die Aufgabe der Trainer um Jörg Züfle, Heiko Wenzel und Simon Raschmann sein, die Spieler allesamt bei Laune zu halten“, sagt Martin Kiem.

Trotzdem zögerte er keinen Moment, dem SV Ebenweiler entgegenzukommen. „Die Spieler stehen im Vordergrund, sie sollen spielen“, sagt Kiem. „Jeder Spieler soll seine Plattform kriegen“, sagt auch Dominic Rinn. Trotzdem glauben alle, dass sich die Spieler finden. „Viele kennen sich ja ohnehin“, sagt auch Joachim Haas, stellvertretender Vorsitzender des FV Altshausen.

An diesem Wochenende geht’s zusammen auf ein Konzert. „Außerdem planen wir einen gemeinsamen Besuch auf dem Cannstatter Wasen“, sagt Haas. Und auch die Anhänger der beiden Mannschaften sollen zusammenwachsen. „Die Pokalspiele spielen wir in Ebenweiler, alle, die zweite Mannschaft spielt zwei Vorrundenspiele hier, die erste Mannschaft ein Spiel“, erläutert Zirn den Plan. „In der Rückrunde sehen wir dann weiter.“